Der AeCS-Zögling war an den «Wings & Friends» vom 10./11. Juli in Grenchen ein Publikumsliebling
Vor 95 Jahren, am 5. Juli 1931 demonstrierten Willi Farner und Oskar Baroni in Dübendorf erstmals die neuzeitliche Autoschleppmethode. Da war es naheliegend, dass wir am 95 Jahr-Jubiläum vom Flugplatz Grenchen einen Autoschlepp vorführten. Natürlich fiel die Flugzeugwahl auf den AeCS-Zögling, wurde dieser doch schon vor über 80 Jahren in Grenchen für die Segelflugschulung eingesetzt.
Autoschlepp mit einem Zögling auf dem Flugplatz Grenchen. Wie das genau aussieht, konnte sich der Veranstalter der zweitägigen Flugveranstaltung «Wings & Friends» wohl kaum vorstellen. Entsprechend gross war die Überraschung der Programm-Verantwortlichen beim Probefliegen: «Das sieht ja richtig gut aus!».
Die Stiftung Segelfluggeschichte brachte den Autoschlepp 2019 zurück in die Schweiz, um den neu aufgebauten AeCS-Zögling, HB-429, gefahrlos einfliegen zu können. Am Anfang waren es nur kurze Schlepps bis auf ca. 20 Meter Höhe mit anschliessenden Landungen geradeaus. Dann reichte die Höhe für die ersten Umkehrkurven mit Landungen in der Gegenrichtung. Und schliesslich einen Vollkreis – sofern die Autostrecke genügend lang ist. Was auf dem Airport Grenchen der Fall ist. Bei den begrenzt zur Verfügung stehenden Pistenlängen entscheidet das ideale Verhältnis von Seillänge und Fahrstrecke über die erreichbare Höhe.
Das Publikum war an den beiden Flugtagen von der Zögling-Vorführungen begeistert. Thomas Fessler im weissen, historischen Flugkombi auf dem offenen Sitzbrett erinnerte an einen Piloten aus dem Film «Die Männer mit ihren fliegenden Kisten». Dass ein so einfaches Fluggerät mit einem so kurzen Flug das Publikum derart begeistern kann, hätten die Veranstalter nicht geglaubt. Das ist eben Fliegen pur: Ohne Motor, Instrumente und Landeklappen. Authentisch und mit einem Touch Abenteuer.
Die Reaktion der Besucher bestätigt, was wir schon lange wussten: Ein historisches Segelflugzeug begeistert die Zuschauer, wenn es in seinem Element zu sehen ist. Am Boden oder in einem Museum ist es nur halb so interessant. Deshalb sollen die Oldtimer-Segelflugzeuge der Stiftung Segel-Flug-Geschichte - wenn immer möglich - in einen flugtüchtigen Zustand gebracht werden und in diesem erhalten bleiben.
Text: Daniel Steffen
Fotos von Oliver Menge und Daniela Müriset